"Nimm auch dieses Jahres Last": Andacht zu Silvester 2020

Ein verstörendes Jahr geht zu Ende. Und auch im nächsten Jahr wird es noch viel Geduld brauchen. Dass wir trotzdem zuversichtlich ins neue Jahr gehen können, darum geht es in der Andacht von Pfarrerin Helga von Niedner.

Hier können Sie die Andacht anhören:
201231 Altjahresabend Dieses Jahres Last.mp3

Hier können Sie die Andacht nachlesen:

Nimm auch dieses Jahres Last

Andacht zu Silvester, 31. Dezember 2020

Nun geht es also zu Ende, dieses komische, ungewöhnliche, verstörende Jahr. Viele werden ihm nicht nachtrauern, sondern froh sein, dass es vorbei ist – und hoffen, dass das neue Jahr besser wird.

Ich denke an ein Lied von Jochen Klepper, das oft am letzten Abend des Jahres im Gottesdienst gesungen wird: „Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last…“ Ja, das war schon eine große Last, die wir in den letzten Monaten zu tragen hatten. Corona hat uns alle beeinträchtigt, unseren Alltag auf den Kopf gestellt und alle Bereiche des Lebens verändert. Und viel zu viele Menschen hat die Pandemie wirklich existentiell betroffen: weil sie selber erkrankt sind oder einen Angehörigen verloren haben. Weil ihnen von einem Tag auf den nächsten die Einkünfte weggebrochen sind. Weil die Corona-Krise sie auch in eine persönliche Krise gestürzt hat. Am Ende dieses verrückten Jahres können wir Gott nur bitten, dass er uns die Last abnimmt oder zumindest beim Tragen hilft.

Man muss nicht krampfhaft in jeder Krise eine Chance sehen. Das wäre auch zynisch angesichts der schlimmen Schicksale, die die Pandemie hervorgebracht hat. Aber es war auch nicht alles schlecht in diesem Jahr! Jochen Klepper hat weiter gedichtet: „Herr, nimm auch dieses Jahres Last… und wandle sie in Segen!“ Die allermeisten Menschen können von Lichtblicken trotz Corona erzählen, von schönen Momenten mit der Familie, von hilfsbereiten Nachbarinnen und Verkäufern, von einer großen Spendenbereitschaft, von kreativen Ideen, die Abstandsregeln und Kontaktverbote überbrücken halfen. Ja, es ist ein Segen, was da alles entstanden ist. Gott kann selbst aus der größten Last, mitten in der Krise, Gutes, Segensreiches entstehen lassen. Was für ein Wunder!

Wie geht es jetzt weiter? Natürlich erwarten wir alle vom neuen Jahr, dass alles endlich besser wird: wir hoffen auf ein Ende von Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht und Abstandsgeboten, auf gute Behandlungsmöglichkeiten und eine erfolgreiche Impfkampagne, auf einen Sieg der Medizin über die Pandemie. Aber wir wissen auch: wirklich sicher können wir uns nicht sein, dass bald wieder so etwas wie Normalität einkehrt. Auf jeden Fall werden wir noch viel Geduld brauchen und mit Einschränkungen leben müssen.

Trotzdem können wir mit Zuversicht ins neue Jahr gehen. Der, der die Zeit in Händen hat, wird uns auch in Zukunft nicht alleine lassen. Gott geht mit! Er begleitet uns ins neue Jahr, was auch immer es bringt. Er hilft uns Lasten tragen – und manchmal lässt er sogar Segen daraus entstehen. Ihm können wir vertrauen.

Jochen Klepper beendet sein Lied mit der Strophe: „Der du allein der Ewge heißt / und Anfang, Ziel und Mitte weißt / im Fluge unsrer Zeiten: / bleib du uns gnädig zugewandt / und führe uns an deiner Hand, / damit wir sicher schreiten.“ Dass wir uns daran festhalten und Halt finden, das wünsche ich uns allen. Ein gesegnetes neues Jahr!

Amen.

Pfarrerin Helga von Niedner