"Nachtlicht": Andacht zum 31. Januar 2021

 Wer Angst im Dunklen hat, freut sich über jedes kleine Licht. Gut, dass es in der Bibel ein paar Lichtzeichen gibt. Darum geht es in der Andacht von Pfarrer Moritz von Niedner.

Hier können Sie die Andacht anhören:
210131 lnEp Nachtlicht.mp3

Hier können Sie die Andacht nachlesen:

Nachtlicht

Andacht zum letzten Sonntag nach Epiphanias, 31. Januar 2021

Viele hatten es, ich hatte es auch, und viele haben es noch heute. Es ist klein und unscheinbar. Am Tag fällt es überhaupt nicht auf.

Ich spreche von einem Nachtlicht. Als Kind hatte ich eines, damit ich mich im dunklen Zimmer nicht fürchtete. Es leuchtete zwar nur ganz schwach, aber ich hatte einen Punkt, an dem sich meine Augen festhalten konnten – die Dunkelheit war nicht mehr so uferlos.

Allein im Dunklen – so ungefähr fühlten sich auch die Christen vor etwa 1900 Jahren im Römischen Reich. Seit langer Zeit warteten sie nun schon darauf, dass Jesus Christus wiederkommt, dass dann endlich eine neue, eine bessere Zeit anbricht. Aber von der besseren Zeit keine Spur, im Gegenteil: Die Christinnen und Christen müssen um ihr Leben fürchten, es ist die Zeit der Christenverfolgungen. Und je länger die Christinnen und Christen leiden und warten, desto öfter fragen sie sich: Hat Gott uns vielleicht vergessen? War das mit Jesus am Ende nur eine schöne Geschichte?

In dieser Situation bekommt die Gemeinde einen Brief. Er steht in der Bibel als der 2. Petrusbrief. Nein, lesen sie dort, das waren nicht nur schöne Geschichten, wir waren dabei, damals, in Galiläa! Wir waren mit Jesus auf dem Berg, wir haben die Stimme Gottes gehört: „Das ist mein lieber Sohn!“

Die Jünger waren damals dabei, erzählt die Bibel. Sie haben es selbst gesehen und gehört und gespürt: In diesem Menschen Jesus von Nazareth ist Gott ihnen nahegekommen.

Die Jünger haben es selbst gesehen und gehört – und sie haben es weitererzählt. Das sind keine Märchen, schreibt der 2. Petrusbrief – wir haben es selbst erlebt.

Und genau diese Erfahrungen, die Erfahrungen mit Gott, sie sollen das Nachtlicht für die mutlosen Christen sein. Das, was andere Menschen vor ihnen mit Gott erlebt haben, das soll den Zweiflern, den Verzweifelten ein Lichtpunkt sein in der Dunkelheit.

Die Bibel ist voll mit solchen Nachtlichtern. Im Johannesevangelium sagt Jesus: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Oder Psalm 119: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.“

Solche Nachtlichter können wir heute genauso gut brauchen. Auch wir wissen, wie sich Krisen anfühlen. Auch unser Gottvertrauen wird mitunter auf eine harte Probe gestellt – kein Wunder, wenn man sich hin und wieder fragt, ob das mit Gott vielleicht doch alles nur schöne Geschichten sind.

Wenn Ihr Glaube also im Dunkel tappt – suchen Sie sich so ein Nachtlicht! Sagen Sie sich Ihren Tauf- oder Konfirmationsspruch laut vor! Denn in allen diesen Sprüchen steckt eine Erinnerung daran, dass es wirklich wahr ist, was Gott versprochen hat: dass Gott uns nahe ist, dass er unseren Weg mitgeht, ja, dass Gott sogar so weit geht, dass er selbst Mensch geworden ist – der von sich selbst sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“   Amen.