"Kontaktbeschränkungen": Andacht zum 24. Januar 2021

Schon Paulus, der vor 2000 Jahren lebte, kannte Kontaktbeschränkungen - und auch er war medial auf der Höhe der Zeit, um seine Botschaft unter die Leute zu bringen. Darum geht es in der Andacht von Pfarrerin Helga von Niedner zum 3. Sonntag nach Epiphanias.

Hier können Sie die Andacht anhören:
210124 3nEp Kontaktbeschränkungen.mp3

Hier können Sie die Andacht nachlesen:

Kontaktbeschränkungen

Andacht zum 3. Sonntag nach Epiphanias am 24. Januar 2021

Eigentlich hatte er sich das anders vorgestellt. Bestimmt hätte er sie für sich und seine Botschaft gewonnen. Er war ein guter Redner und konnte andere überzeugen und begeistern; normalerweise sprang der Funke schnell über, so von Angesicht zu Angesicht. Aber es war kein persönliches Treffen möglich. Aus der Ferne musste er ihnen mitteilen, was ihm wichtig war. Das war mühsam, und vor allem fehlte ihm die direkte Rückmeldung. Aber ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen.

Irgendwie klingt das in diesen Zeiten ziemlich vertraut. Aber ich rede nicht von dem Lehrer, der seine Klasse per Videokonferenz beschult, nicht von der Schülerin, die ihr Referat auf der Schulcloud hochlädt und auch nicht von dem Künstler, der statt im Konzertsaal im eigenen Wohnzimmer auftritt, sich dabei filmt und das Video online stellt. Ich rede von Paulus, dem Apostel und Gemeindegründer, der eifrig im Auftrag des Herrn unterwegs war und seine Botschaft am liebsten persönlich rüberbrachte. Das hat er auch häufig getan, mit großem Erfolg, aber mehr als einmal kam ihm was dazwischen. Mal war er im Gefängnis, mal war die Entfernung zu groß, oder er war anderweitig verhindert. Auch Paulus hat Kontaktbeschränkungen gekannt, er musste also nach Alternativen suchen.

Und deshalb schrieb er Briefe an die Gemeinden, die er nicht besuchen konnte. Man glaubt es kaum, aber auch vor zweitausend Jahren war es möglich, Post über weite Strecken an die Zieladresse zu bringen. Paulus nutzte die Möglichkeiten, die ihm damals zur Verfügung standen. Würde er heute die Corona-Zeit miterleben, wäre er sicher in den sozialen Medien aktiv, würde e-mails schreiben und Zoom-Konferenzen abhalten, um seine Botschaft an den Mann und die Frau zu bringen.

Ja, die Kontaktbeschränkungen seit Monaten sind unglaublich anstrengend und gehen auf die Nerven. Wir können ja froh sein, dass es heutzutage so viele technische Möglichkeiten gibt, Kontakte anders möglich zu machen. Aber es ist eben nicht das Gleiche! Homeschooling ist nicht das Gleiche wie Unterricht im Klassenzimmer. Gottesdienste im Fernsehen anzuschauen ist nicht das Gleiche wie sonntags in der Kirche zu sitzen und mit anderen gemeinsam zu singen und zu beten. Die Oma per Videocall anzurufen ist nicht das Gleiche wie sie zu besuchen und in den Arm zu nehmen. Trotz allem ist es gut, dass es diese Dinge gibt – besser als nichts!

Im Wochenlied für diesen dritten Sonntag nach dem Epiphaniasfest heißt es: „In Christus gilt nicht Ost noch West, es gilt nicht Süd noch Nord, denn Christus macht uns alle eins in jedem Land und Ort.“ Gottes Liebe verbindet uns über alle Grenzen hinweg, sie hält sich nicht an Kontaktbeschränkungen und Abstandsgebote. Die frohe Botschaft lässt sich nicht aufhalten – sie will sich verbreiten – und wenn das nicht im persönlichen Kontakt geht, dann nutzt der Heilige Geist eben andere Kanäle.

Paulus ist dafür übrigens das beste Beispiel! Viele seiner Briefe haben ihr Ziel erreicht und ihren Zweck erfüllt. Auch wenn er nicht selber vor Ort war, konnte er mit den jungen Gemeinden in Kontakt bleiben und sie aus der Ferne begleiten. Die frohe Botschaft hat sich weiter verbreitet, über alle Grenzen hinweg, bis heute. Und wir können eigentlich froh darüber sein, dass Paulus zum Briefeschreiben gezwungen war. Sonst wüssten wir längst nicht so viel darüber, wie das Leben in den Gemeinden damals ausgesehen hat und mit welchen Problemen sie sich herumschlagen mussten. Die Briefe des Paulus sind erhalten geblieben und geben uns einen besonderen Einblick in diese Zeit. Für uns hatten die Kontaktbeschränkungen vor zweitausend Jahren also doch noch etwas Gutes – Gott nutzt eben alle Kanäle.

Amen.

Pfarrerin Helga von Niedner